15. August 2019

Liebe Freund*innen und Unterstützer*innen,

einige von euch haben es inzwischen schon mitbekommen, um nun von unserer Seite aus Klarheit zu schaffen: Es ist leider wahr, zum 31.12.2019 fliegen wir raus!

Nach zehn Jahren Wohngemeinschaft und mehreren Jahren Bemühungen, das Haus zu kaufen, haben wir nun die Kündigung erhalten.

Wie konnte es dazu kommen?

Wir wohnten bereits seit einigen Jahren als 10-er WG in der Böheimstraße, als wir uns entschlossen, das Objekt gemeinsam mit dem Mietshäusersyndikat zu kaufen.

2016 standen wir dann in den Startlöchern: Wir hatten einen ausgearbeiteten Finanzierungsplan um den Kaufpreis von 750.000 € stemmen zu können, eine mündliche Zusage für einen Bankkredit und einen Termin zur Vorstellung beim Mietshäuser Syndikat.

Kurz darauf kam die Ernüchterung, denn der Besitzer des Objektes zog sein Verkaufsangebot aus steuerlichen Gründen vorläufig wieder zurück und vertröstete uns auf 2019.

Wir legten unsere Bemühungen also auf Eis, jedoch gewillt 2019 einen neuen Versuch zu starten. Anfang diesen Jahres war es dann also soweit. Über den zwischengeschalteten Verwalter des Hauses – der die gesamte Zeit unsere Ansprechperson war – bekundeten wir erneut unser Interesse daran, das Objekt zu kaufen. Wir erfragten die aktuellen Konditionen, erhielten darauf jedoch nie eine Antwort.

Grundsätzlich gestaltete sich die Kommunikation mit dem Hausbesitzer, über den Verwalter von der Stuttgarter Immobiliengesellschaft (SIG) schwierig. Mehrfach wiesen wir auf teils erhebliche Schäden (z.B. eine bröckelnde, denkmalgeschützte Fassade, undichte Fenster und Schimmel in den Bädern) am Haus hin, lange ohne Reaktion. Im Frühjahr diesen Jahres beauftragete der Besitzer dann zwei Gutachtende, um den Zustand des Gebäudes zu überprüfen.

„Hier gibt es nicht viel schönzureden!“, so die Aussage.

Einige Zeit später stand ein Architekt vor der Tür. Er sei als Berater engagiert worden UND er könne sich vorstellen das Haus im Spätsommer zu kaufen – für eine Mio. Euro.

Aha, hier also die Konditionen.

Auf diesbezügliche Nachfragen beim Hausverwalter erhielten wir wieder keine Antwort, dafür aber die Kündigung unseres Mietvertrags.

Natürlich haben wir die Kündigung vom Stuttgarter Mieterverein überprüfen lassen. Dabei hat sich herausgestellt, dass der Hauptmietvertrag zwischen Hausbesitzer und Verwalter abgeschlossen wurde, und wir nur einen Untermietvertrag haben. Da nur Hauptmieter gerichtlich gegen eine Kündigung vorgehen können, ist sie von uns nicht anfechtbar. Durch diese Tatsache und das allgemein ignorante Verhalten von Haubesitzer und -verwalter uns gegenüber gehen wir davon aus, dass dieses Vorgehen von Anfang an beabsichtigt war.

Wir sind traurig, denn zehn Jahre sind eine lange Zeit, in der wir vieles erlebt und investiert haben. Uns von dem Zuhause zu trennen, dass das Revier 5 über die Jahre geworden ist, ist für uns alle nicht einfach. Es ist mehr als benötigter Wohnraum, den wir mit dem Auszug hinter uns lassen werden.

Vor allem aber sind wir wütend darüber, dass wir in den Kaufverhandlungen völlig übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Und darüber, dass in Zeiten von Gentrifizierung und sich zuspitzender Wohnungsnot einem Projekt, welches sich genau dagegen stellt, eine so klare Absage erteilt wird.

Wir haben den Revier 5 e.V. als politisches Projekt verstanden, welches Möglichkeiten sucht, Wohnraum mit sozialverträglichen Mieten zu etablieren und Räume für subkulturelle und kreative Vielfalt zu schaffen. Uns ging (und geht) es darum, Räume solidarisch miteinander zu nutzen, und Menschen die Möglichkeit zu bieten, das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten und von herkömmlichen Modellen zu emanzipieren.

Dem Hausbesitzer geht es offensichtlich nur darum, das Objekt so teuer wie möglich zu verkaufen.

Die angesprochene Wohnungsnot betrifft nun auch uns persönlich. Zu zehnt, möglichst koordiniert, aus einem Haus auszuziehen, stellt uns vor einige Herausforderungen. Noch schwieriger ist es, neuen, geeigneten Wohnraum zu finden. An unseren Vorstellungen, was gemeinsames Wohnen betrifft, hat sich nichts geändert. Wir würden gerne weiterhin zusammen leben, und freuen uns über jede Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Haus, oder Wohnungen.

Angebote, Nachrichten aller Art und Liebesbriefe bitte an: